Ob man diese Entwicklung nun liebt oder hasst: Social Media hat unseren Medienkonsum revolutioniert. Sicher, viele Accounts leben noch immer allein vom Posten von Essensbildern und Tanzeinlagen – und verschwinden oft genauso schnell, wie sie gekommen sind. Doch in der Automobilwelt hat eine neue Gruppe von Journalisten/innen die Bühne betreten. Darunter Maximilian Chester, Gründer von ‘PwufTalksCars’, einem drei Millionen Follower starken Imperium, das sich über Instagram und TikTok erstreckt und das er sich mit einer in einem Scherzartikelladen gekauften Plastikhand als glamouröser Assistentin aufgebaut hat. Wir trafen Max, um über seinen kometenhaften Aufstieg zum Social-Media-Ruhm zu sprechen und mehr über seine luxuriöse erste Autowahl zu erfahren.
Es ist toll, Dich zu sehen Max! Für diejenigen, die die letzten zwölf Monate vielleicht in einer Höhle gelebt haben oder sich nicht auf TikTok oder Instagram zu Tode gescrollt haben, sag uns doch: Wer oder was genau ist „Pwuf Talks Cars“?
Ehrlich gesagt, stelle ich mir diese Frage auch manchmal! Viele fragen sich, was „Pwuf“ bedeutet, und die Wahrheit ist: Es kann alles bedeuten, was man will. Meine Liebe zu Autos begann schon in jungen Jahren, und ich wusste immer, dass ich etwas in der Automobilwelt machen wollte. Was als Leidenschaftsprojekt begann – einfach nur Autos aus Spaß zu filmen – hat mein Leben auf eine Weise verändert, die ich mir nie hätte vorstellen können. Dass ich jeden Tag aufwache und das tun kann, was ich liebe, ist etwas, das ich nie als selbstverständlich ansehen werde.
Ist Deine Begeisterung für Autos eine lebenslange Obsession, oder hat sie sich erst in jüngerer Vergangenheit entwickelt?
Autos haben schon immer eine große Rolle in meinem Leben gespielt. Es gab nicht wirklich diesen einzigen Moment, in dem ich dachte: ‚Das war’s, jetzt bin ich ein Car Guy‘. Es waren eher eine Reihe kleiner Momente, die dazu führten. Eine meiner frühesten und lebhaftesten Erinnerungen stammt aus der Zeit, als ich etwa drei bis sechs Jahre alt war. Ich konnte mich nicht an die Namen der Freunde meiner Mutter erinnern, aber an jedes einzelne Auto, das sie fuhren – von einem Buick Regal bis zu einem Chrysler Voyager. Ich weiß noch genau, wie fasziniert ich von der Kühlerfigur des Voyager war und mich fragte, warum ein Minivan so etwas haben sollte! Diese kleinen Details sind mir im Gedächtnis geblieben und ich denke sogar heute noch daran. Ein anderes Beispiel geht auf meinen achten Geburtstag zurück. Zu dem hatte ich eine Xbox 360 bekommen, und das erste Spiel, das ich darauf hatte, Burnout Paradise war! Ich durfte nur von Freitag bis Sonntag an die Xbox, also war jeder Freitag nach der Schule definitiv etwas, worauf ich mich freuen konnte.
Und während die Kriterien für die meisten Erstwagen eine flexible vordere Stoßstange und eine möglichst niedrige Versicherungseinstufung sind, war Dein erster eigener Wagen ein bisschen anders…
Etwas, das immer eine Reaktion hervorruft, ist das alte Nokia-Telefon in meinem BMW 740i. Es funktioniert nicht, aber zaubert den Leuten jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht, wenn sie es sehen. Aber was mich wirklich an meinem 7er fasziniert, ist seine schiere Präsenz. Selbst nach einem Jahr ertappe ich mich immer noch dabei, wie ich ihn mir beim Parken ansehe. Besonders nach einer Autowäsche. Die Kombination aus klarem Glas, makellos weißem Innenraum und diesen atemberaubenden diamantgeschliffenen Felgen vor der Lackierung in Avus Blue Metallic wird nie langweilig. Der Kofferraum ist riesig, der Originalbildschirm hat kabelloses Apple Car Play, es gibt ein Schiebedach für die seltenen sonnigen Tage, fünf Sitze für meine Freunde und ausgewogenen Komfort für lange Strecken – alles, was ich brauche. Ich habe ihn zum gleichen Preis wie einen zehn Jahre alten Ford Fiesta gekauft, und doch fühle ich mich jedes Mal, wenn ich ihn fahre, wie ein Ein-Millionen-Dollar-Mann!
Was würdest Du jenen sagen, die vielleicht in Betracht ziehen, sich auch solch ein Oberklasse-Modell anzuschaffen? Wie kommt man mit einer so stattlichen Limousine in den manchmal engen Straßen von London zurecht?
Nicht so schwierig, wie man denken könnte. Meine E38 7-Serie ist ungefähr so groß wie ein aktueller BMW 3er! Es gibt zwar noch keine Kameras, aber er wurde mit Parksensoren geliefert, was das Einparken ein bisschen einfacher macht!
Viele werden Dich als außergewöhnlich gut gekleideten und eloquenten Typ mit Plastikhand kennen. Wann genau hat Deine Social-Media-Reise begonnen?
Mit 14 Jahren. Zu dieser Zeit leitete ich die größte Rolls-Royce-Fanseite, die auf rund 400.000 Follower wuchs. Ich machte dasselbe für Range Rover – und erreichte ein ähnliches Publikum. Nach dieser Erfahrung hatte ich bezüglich Social Media Blut geleckt. Ich habe zweimal am Tag gepostet, einmal vor der Schule und dann, als ich nach Hause kam.
Nachdem ich nach London gezogen war, verwaltete ich diese Seiten weiter, aber irgendwann wurde mir klar, dass ich stattdessen etwas für mich selbst schaffen wollte. Ich hatte zwei Teilzeitjobs, bezahlt unter dem Londoner Mindestlohn, und war daneben ein Vollzeitstudent. Ich wusste nur, dass sich etwas ändern musste, damit ich an einem schönen Sommertag keine Fenster und Toiletten mehr schrubben musste. Also habe ich die Erstellung von eigenen Inhalten der Mischung hinzugefügt. Weil es das war, was ich gut konnte – und der Rest ist Geschichte!
Oh, und die Hand? Um ganz ehrlich zu sein, dachte ich nur, es wäre eine brillante Idee, sie zum Markenzeichen zu machen und die Zuseher zum Schmunzeln zu bringen. Die Leute fragten sich ständig, was mit meiner Hand passiert sei, und dachten, meine linke Hand sei irgendwie auf ein Viertel der Größe geschrumpft und aus hartem Plastik gefertigt. Aber das alles war Teil des Mysteriums, und jeder Kommentar half, meine Videos auf ein breiteres Publikum auszubreiten. Viele haben versucht, es zu replizieren, aber ich bin stolz sagen zu können, dass die Idee mit der Kunststoffhand allein meine war!
Du bist der Archetyp des New Age-Autojournalisten und nutzt soziale Medien als perfekte Bühne für Kreativität und Unterhaltung. Welchen Rat würdest Du denjenigen geben, die es auch versuchen möchten?
Dazu kann ich nur sagen: einfach anfangen und konsequent bleiben. Es wird nichts passieren oder sich ändern, wenn man überhaupt nicht beginnt. Steht dieser Entschluss fest, ist das schon ein großer Schritt in die richtige Richtung, und Konsequenz erhöht die Erfolgsaussichten dann weiter.
Wenn Du die Wahl hättest: Hinter das Steuer welcher Modelle würdest Du Dich spontan am liebsten setzen?
Meine Top 3 wären ein NYC Taxi Ford Crown Victoria, der mir das größte Grinsen ins Gesicht zaubern würden. Dann der elektrische Microlino als moderne Inkarnation der BMW Isetta und die verschiedenen Spyker-Modelle, die ich gefilmt habe!
Wir haben einen aktuellen Neuzugang der Pwuf-Flotte erspäht. Kannst Du uns ein bisschen mehr dazu erzählen?
Als meine Freunde sagten, ich bräuchte einen Sportwagen, fiel mir nichts Besseres ein als ein BMW Z1 ein. Obwohl ich Porsche liebe, sind sie in London ungefähr so verbreitet wie ein Toyota Prius. Jeder und selbst dessen Oma hat einen, und das hat mich einfach nicht angesprochen. Ich wollte schon immer etwas anderes, und der Z1 ist, nun ja, ganz anders. Wenn ich mir etwas anschaffe, soll es immer etwas Seltenes, Interessantes und Unerwartetes sein!
Blitzfrage: Deine Traum-Dreier-Garage?
BMW Z8, BMW 7-Serie, 1991er Jeep Grand Wagoneer.
Gibt es ein Auto, das Du bislang noch nicht gefilmt hast, aber unbedingt vorstellen willst?
Die Konzeptstudie Mercedes F200 Imagination, vorgestellt 1996 auf der Mondial de l’Automobile in Paris!
Sie können Max‘ Abenteuer mit seinem dynamischen BMW Duo und seine Algorithmus-zerstörenden Instagram-Reels hier folgen.
Fotos von Tom Shaxson für Classic Driver 2025
Aus dem Englischen von Thomas Imhof