Selbst die jüngsten Automobilfans würden bei der Beschreibung eines Supersportwagens wahrscheinlich drei Dinge nennen: auffälliges Design, richtig schnell und Mittelmotor. Doch wenn es um Ferrari geht - den wohl größten Supersportwagenhersteller von allen – folgten ihre Autos lange der bewährten Formel mit einen großen Frontmotor, auch bekannt als Berlinettas.
1973, nach dem Ende der Produktion des legendären 365 GTB4 Daytona, wurde bei der Marke das V12-Berlinetta-Konzept jedoch zugunsten der damals hochmodernen Mittelmotoranordnung aufgegeben. Modelle wie der Testarossa übernahmen die Führungsrolle. Aber nur bis 1996, als Ferrari sein Rennsport-Erbe mit einer für das neue Jahrtausend konzipierten Berlinetta würdigte.
Die Bühne für die Neuwagen-Präsentation stellte der legendäre Nürburgring, wo am 20. Juli 1996 Ferrari nicht weniger als acht Formel-1-Fahrer zur Probefahrt mit ihrer ersten Berlinetta seit über 20 Jahren aufrief: mit dem 550 Maranello. Darunter waren Namen wie Lauda, Scheckter, Irvine, Fisichella, Papis und sogar ein junger Michael Schumacher, der einige Demonstrationsrunden am Steuer des F310-Formel 1-Rennwagens drehte. Es war jedoch Papis, der am Steuer des 550 Maranello mit der Chassisnummer 105067 saß, der passend zum Nürburgring in Argento lackiert und mit einer atemberaubenden Lederausstattung in Cartier-Rot ausgestattet ist.
Nur wenige Tage nach der Vorstellung wurde das Chassis Nr. 105067 von der italienischen Zeitschrift Quattroruote auf Herz und Nieren geprüft. Man war von der unglaublichen Schnelligkeit des 550 verblüfft, der in nur 4,4 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigte. Der 5,5-Liter-V12-Motor mit 485 PS sollte als einer der größten Motoren aller Zeiten in die Geschichte eingehen, und in seiner Blütezeit muss er sich wie ein wahres Monster angefühlt haben. Ferraris jüngste Berlinettas haben zwar fast doppelt so viel Leistung wie der 550, erreichen aber weder sein niedriges Gewicht noch seine relativ kompakten Abmessungen. Kombinieren Sie das günstige Leistungsgewicht des 550 nicht nur mit einem der besten modernen Designs von Pininfarina, sondern auch mit einem phänomenalen Sechsgang-Schaltgetriebe, und Sie haben den Höhepunkt der V12-Ferraris für den Alltagsgebrauch.
Nach seiner Triumpffahrt durch die europäischen Automobilzeitschriften blieb das Chassis Nr. 105067 zunächst beim Hersteller. Ferrari entschied dann, es Michael Schumacher zur persönlichen Nutzung zu überlassen. Das bestätigt ein von ihm selbst unterzeichneter Brief, in dem es heißt: "Ich freue mich, bestätigen zu können, dass der 550 Maranello mit der Chassis-Nr. 105067 das Auto ist, mit dem ich bei vielen Gelegenheiten gefahren bin. Ich hoffe, dass sein nächster Besitzer Freude an diesem Auto, das ich lange Zeit liebte, haben wird,."
Der Brief ist auf den 10. Februar 2003 datiert. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Vorbesitzer des Wagens fünf F1-Weltmeistertitel errungen, und das Chassis #105067 wurde nach Japan exportiert, wo der offizielle Importeur Cornes & Co. auf seine Ankunft wartete. Ende Juni wurde der Wagen zum Verkauf angeboten, was zu einer Flut von nicht weniger als 165 Kaufanfragen führte. Während seiner Zeit im Land der aufgehenden Sonne wurde der 550 mit Chassisnummer 105067 von zwei Besitzern gepflegt, bevor er mit knapp über 10.000 Kilometern auf dem Tacho nach Europa zurückkehrte.
Trotz seiner äußerst geringen Laufleistung wurde dieser 550 mit seiner faszinierenden Geschichte überaus pfleglich behandelt. Er wurde regelmäßig gewartet, einschließlich eines Zahnriemenwechsels im März 2019. Dieses zweifellos begeisterndste Exemplar unter den 3.083 gebauten Ferrari 550 wird am 7. April im Rahmen der Tour Auto von Aguttes versteigert. Der Wagen verfügt über ein temporäres Importzertifikat und wartet nun darauf, im Land seines zukünftigen Besitzers verzollt zu werden. Mit einem geschätzten Auktionserlös zwischen 200.000 und 250.000 Euro ist dieser 550 Maranello ein hervorragender Kauf, vor allem angesichts seiner fabelhaften Ausstattung und einzigartigen Herkunft.
Zeitgenössisches Nürburgringfoto: Cyrile Jacquinot