Zum 25. Mal traf sich Anfang Juni die vierrädrige Society im österreichischen Skiort Kitzbühel zur jährlichen Bergparade. Classic Driver war mit einer Ikone aus Wolfsburg am Start, einem Golf I GTI. Resultat: Der siebte Rang.
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Mal angenommen, Sie haben einen Oldtimer. Nicht irgendetwas profanes, sondern einen Italiener oder Engländer mit Geschichte. Schön poliert und topp in Schuss. Was gibt es da langweiligeres, als das gute Stück in der heimischen Garage zu verstecken. Die Preziosen wollen gezeigt werden, und einer der Termine in Europa zum öffentlichen Schaulaufen ist seit 25 Jahren Kitzbühel am Fuße des Wilden Kaisers. Die zweitägige Alpenrallye, die eher den Titel touristische Rundfahrt verdient, ist ideal für das Präsentieren von Mensch und Maschine. Und so finden sich zwischen Sonderprüfung und Hüttengaudi die üblichen Verdächtigen im knapp 200 Teilnehmer starken Starterfeld. Mercedes 300 SL Flügeltürer, Jaguar XK 150, Iso Grifo Spyder, Bentley Old One (1931) und Aston Martin 2-Litre-Speed (1937) sorgen für das gewünschte exklusive Flair. Dass zum zweiten Mal Volkswagen zu den Sponsoren gehört, stört angesichts des üppigen Markenportfolios der Wolfsburger nicht. Bentley, Audi, und Lamborghini gehören quasi zur Familie und sind mittlerweile bestens eingegliedert im großen Mutterkonzern.
Vermutlich ist es auch diese Familienzugehörigkeit, die das erlauchte Publikum beim Anblick der profanen Abgesandten aus dem Mutterhaus in Wolfsburg gnädig stimmt. Neben einem flotten Käfer mit Porsche-356-Motor und geschätzten 95 PS, einem schwarz-gelben Kugel-Renner und einem Porsche 914 darf sogar ein in unschuldigem Alpinweiß lackierter Golf GTI der ersten Serie aus 1978 den noblen Alpenasphalt unter die Räder nehmen. Doch die volksnahen Volkswagen werden nicht nur geduldet, sie sorgen auch für merklich gelöste Stimmung und machen Appetit bei den Besuchern auf die Realisierung eigener Rallyeträume. Kurz: es muss auch in Kitz‘ nicht immer Aston und Co. sein, um Spaß zu haben.
Auf der Strecke dann das übliche Gerangel um Zeiten und Meter. Tapfer kämpfen sich der Porsche-Käfer, der von Hans-Joachim Stuck pilotierte Porsche 914 und der Golf I GTI unter die ersten zehn Plätze der Classic-Trophy-Klasse. Offenbar liegt den Wolfsburgern das Terrain der hügeligen Berggassen. Bemerkenswert dabei vor allem, mit welcher Gleichgültigkeit die teilweise über 30 Jahre alten Niedersachsen auch härtesten Belastungen widerstehen. Insbesondere der 110 PS starke 1,6-Liter-Golf scheint bei der Auffahrt zum über 2.300 Meter hohen Großglockner in seinem Element. Die touristische Ausfahrt eines örtlichen SL-Clubs negiert der Vierzylinder-Einspritzer im zweiten Gang bei steilster Passauffahrt, während sich der von Volkswagen Pressechef Pietro Zollino pilotierte Tuning-Käfer erfolgreich mit deutlich kräftigeren Vorkriegssportwagen anlegt. Das am Ende der Mittelmotorsportwagen Porsche 914 im Klassement der Classic-Trophy-Fahrer in Führung liegt, dürfte jedoch vor allem an den fahrerischen Qualitäten Stucks gelegen haben. Gelernt ist eben gelernt. Nicht weit dahinter erreichen wir im Golf GTI immerhin den siebten Rang in der Gesamtwertung der Classic-Trophy.
Doch Kitzbühel ist weniger Challenge, als vielmehr eine herrliche Präsentation der Preziosen in der Menge der Wartenden. Die Ortschaften sind gesäumt von Schaulustigen, und spätestens im Finish in der Innenstadt von Kitzbühel hält es keinen mehr zu Hause. Unter dem begeisternden Applaus der Zuschauer läuft der Rallyetross ein und steht zur ausgiebigen Besichtigung bereit, Promis zum Anfassen inklusive. Denn neben autobegeisterten Nobodys finden sich auch bekannte Gesichter, wie Matula-Darsteller Claus Theo Gärtner (auf einem Alfa GT 1300 Junior) oder Nachrichtensprecher Jan Hofer, der bereits an mehreren Rallyes dieser Art teilgenommen hat.
Dass der Hauptsponsor aus Wolfsburg eine Vielzahl seiner Produkte, darunter ein Bugatti Veyron Grand Sport Vitesse und einen Audi TTRS Plus zur Schau stellt, sei ihm gegönnt, denn schließlich sind Veranstaltungen wie die Alpenrallye ohne die großzügige Unterstützung der Wirtschaft kaum mehr möglich. Und wer weiß, vielleicht bekommt der ein oder andere Zuschauer angesichts der volkstümlichen Rallyemodelle Lust, im nächsten Jahr selbst mit einem Youngtimer anzutreten. Angesichts der Top-Organisation und der sensationellen Berglandschaft rund um den Wilden Kaiser wird er es nicht bereuen.