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Durchschneiden Sie den digitalen Lärm mit diesem Porsche 911 Carrera RSR Art Car

Sind Sie auch gelangweilt von den seelenlose Artcars der Hersteller, die nun die Norm bilden? Jimmy Howson und der bekannte Künstler Lefty haben mit diesem rennfertigen Porsche Carrera RSR das perfekte Gegengift entwickelt. An diesem Wochenende live und in Farbe zu erleben beim Goodwood Revival.

Wir sind uns nicht sicher, ob es nur uns so geht, aber Art Cars lösen schon lange nicht mehr den gleichen Hype aus wie früher. In den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren nutzten Titanen der Kunstwelt wie Frank Stella, Roy Lichtenstein, Andy Warhol, David Hockney und Alexander Calder aufregende BMW Modelle wie ein CSL Coupé, zwei M1, ein 850 Coupé oder einen 320 Gruppe 5 als Leinwand. Bepinselten von Hand die weißen Karosserien mit dramatischen Kompositionen, die dann vor allem in Le Mans die Fans begeisterten. Im Vergleich dazu bestehen die Kunstautos von heute meist aus computergenerierten Bildern, die lustlos auf riesige Plastikbögen gedruckt und dann auf ein beliebiges, ebenfalls aus Kunststoff bestehendes Modell gewickelt werden. Das steht dann kurzzeitig im Rampenlicht, um danach nie wieder das Licht der Welt zu erblicken. Das war der Fall, bis Jimmy Howson ins Spiel kam. 

Obwohl er erst Mitte zwanzig ist, ist Jimmys Einfluss auf den Puls der sozialen Medien im Automobilbereich beeindruckend. Das wurde nie deutlicher als auf der Monterey Car Week 2023. Inmitten der teuersten und exklusivsten automobilen Juwelen der Welt schaffte es ein 911 RSR Art Car, den Lärm zu durchbrechen und das Objektiv jeder anwesenden Kamera von dem abzulenken, was normalerweise eine „nur-einmal-im-Leben“-Gelegenheit für ein Auto-Shooting wäre. Natürlich mussten wir mehr erfahren.

Als erfahrener Kreativer hat Jimmy mit vielen der größten Namen in der Autowelt zusammengearbeitet, wobei Film und Video seine bevorzugten Medien sind. Da sein älterer Bruder jedoch in der Branche ganz oben mitspielt, wollte Jimmy etwas tun, um sich abzuheben. Eine zufällige Begegnung mit dem beliebten Künstler Lefty gab ihm genau den kreativen Impuls, den er brauchte. Falls Sie es noch nicht wissen: Lefty (alias Francesco Campanella) und sein charakteristisches polymorphes Muster haben sich in der Popkultur und im Internet wie ein Lauffeuer verbreitet. Es taucht überall auf, vom Hintergrund der Musikvideos von Bad Bunny bis zum Helm des ecuadorianisch-amerikanischen Formel-2-Piloten Juan Manuel Correa. Offensichtlich waren sich die beiden einig, dass es höchste Zeit war, einem Rennwagen die Polymorph-Behandlung zukommen zu lassen. 

Lefty erklärt ihre erste Begegnung: „Ich lernte Jimmy kennen, als ich ein Wandgemälde (mural) in Battersea, London, malte. Jimmy filmte meine Arbeit, während ich auf einer Scherenbühne malte, und wir kamen ins Gespräch, das sich um unsere gemeinsame Liebe zu Autos drehte. Wir blieben in Kontakt, und Jimmy meldete sich schließlich, als er ein Projekt hatte, das perfekt zu mir passte. Da ich bereits Erfahrung mit der Bemalung von Autos und unkonventionellen Leinwänden hatte, fühlte ich mich sicher und war begeistert, das Projekt zu übernehmen.“

Jimmys Perspektive der Geschichte fällt etwas sachlicher aus: „Als ich Lefty in Battersea traf, war buchstäblich das erste, was ich dachte (und laut sagte): ‚Das würde auf einen Rennwagen passen'. Also habe ich es einfach möglich gemacht.“

Natürlich brauchte ein Künstler von Leftys Kaliber ein ebenso beeindruckendes Auto. Normalerweise würde ein Zwanzigjähriger, der darum bittet, einen Rennwagen im Wert eines sechsstelligen Betrags mit Farbe zu überziehen, nicht auf große Begeisterung stoßen. Aber mit Tuthill Porsche auf Jimmys Kundenliste war das kein allzu großes Problem, wie Jimmy erklärt: „Ich rief Richard Tuthill an und bat ihn, uns bei der Suche nach einem Auto zu helfen. Und binnen 23 Minuten hatte er ein Auto gefunden, das sie 2018 gebaut hatten und das bereits weiß lackiert und startklar war. Es ist auch für die Peter Auto Serie zugelassen, also wird es nächstes Jahr in Spa, Le Mans, Mugello usw. fahren.“

Nachdem das Auto gesichert und Lefty an Bord war, musste nur noch eine Farbpalette festgelegt und das Auto von Hand lackiert werden. Lefty erklärt: „Die Inspiration für die Farbpalette kam von Jimmy. Er schlug die ikonischen Farben des IROC 911 Porsche vor. Das gefiel mir sofort, denn es erinnerte mich an Mondrian, einen Künstler, auf den ich in meinen früheren Arbeiten Bezug genommen habe. Die Farbtöne unterstreichen die Ästhetik der 1970er-Jahre und betonen die Karosserie und die Identität des Autos.“

Normalerweise müsste ich an dieser Stelle erklären, inwiefern dieses 911er-Kunstauto eine Art gesellschaftspolitischer Kommentar ist, aber Jimmy ist da etwas entspannter: „Ich bin nicht die Sorte ‚Künstler‘, die eine große Menge an Bedeutung in ihre Kunst legen. Ich dachte einfach, es sieht krank aus.“ Jimmys erfrischend unverblümte Antwort fasst zusammen, was wir an diesem Projekt so lieben: Manchmal können Art Cars einfach nur dazu dienen, andere zu begeistern und zu inspirieren, und was gibt es dafür Besseres, als sie über die größten Rennstrecken der Welt zu jagen. Laut Jimmy ist das aber erst der Anfang. Daher können wir es kaum erwarten zu sehen, welcher Künstler mit welchem Auto als nächstes auf das Thema einsteigt!

Fotos von @cpixls und @_havisuals